Der Bekleidungsverleih etabliert sich als nachhaltige Alternative zur Fast Fashion. Dieser Markt, der weltweit auf 6,2 Milliarden Dollar geschätzt wird, verzeichnet ein jährliches Wachstum von 9,64%. Er verkörpert einen Wandel im Verbraucherverhalten, bei dem die Nutzung Vorrang vor dem Eigentum hat.
Wichtige Marktdaten
- 6,2 Milliarden $: weltweiter Marktwert
- 9,64%: jährliches Wachstum
- 66% der Franzosen sind bereit, dieses Modell zu übernehmen
- 2% haben bereits Kleidungsverleih getestet
In Frankreich geben 66% der Verbraucher an, bereit zu sein, dieses Modell zu übernehmen. Dennoch haben nur 2% bereits ein Kleidungsstück für einen besonderen Anlass gemietet, und 1% haben einen Mietservice abonniert.
Dieser Kontrast verdeutlicht die Herausforderungen und Chancen für Marken. Die Kreislaufwirtschaft gewinnt an Boden, angetrieben von Umwelt- und Wirtschaftssorgen.
Für Einzelhändler kann die Integration von Verleihservices ihre Attraktivität stärken und ihre Einnahmen diversifizieren. Jedoch bestehen noch Hindernisse.
Was sind die Herausforderungen dieses Modells? Wie kann man es implementieren, ohne die Verkäufe zu kannibalisieren? Entschlüsselung eines Marktes im Wandel.

Marktstatus und aktuelle Trends
Ein Markt in voller Strukturierung
Der Markt für Bekleidungsverleih folgt einer ähnlichen Entwicklung wie Vinted vor einigen Jahren. Früher marginal, ist Second Hand heute ein Kaufreflex. Der Verleih könnte denselben Aufstieg erleben.
Prognosen sagen ein weltweites jährliches Wachstum von 11% voraus. In Frankreich haben 18% der Verbraucher bereits im vergangenen Jahr ein Produkt gemietet, branchenübergreifend. Diese Adoption bleibt moderat, spiegelt aber einen grundlegenden Trend wider.
Die Wettbewerbslandschaft entwickelt sich. Spezialisierte Akteure wie Le Closet (Monatsabo) oder Une Robe pour 1 Soir (Luxus-Verleih) stehen nun neben Prêt-à-Porter-Marken, die dieses Modell testen.
Einige etablierte Einzelhändler wie Kiabi und Ba&sh experimentieren mit Verleihservices, um Kunden zu gewinnen, die Flexibilität und Nachhaltigkeit suchen.
Wer sind die Verbraucher von Verleihservices?

Die Motivationen der Verbraucher variieren, aber drei Schlüsselfaktoren zeichnen sich ab: Wirtschaftlichkeit, Flexibilität und Umweltauswirkungen. In einem inflationären Kontext ermöglicht der Verleih Zugang zu hochwertiger Kleidung ohne größere finanzielle Verpflichtung.
66% der Franzosen erklären sich bereit zu mieten, aber die Adoption bleibt gering. Nur 2% haben bereits ein Kleidungsstück gemietet, und 1% haben ein Abonnement abgeschlossen. Diese Diskrepanz erklärt sich durch psychologische Barrieren und fehlende Gewohnheiten.
| Verbraucherprofil | Wichtige Daten |
|---|---|
| Dominantes Geschlecht | Frauen (Mehrheit) |
| Hauptaltersgruppe | 55-64 Jahre |
| Verfügbares Budget | Das höchste aller Altersgruppen |
| Motivation #1 | Ersparnisse bei besonderen Anlässen |
| Motivation #2 | Umweltauswirkungen |
Das Nutzerprofil zeigt eine Dominanz der Frauen, insbesondere die im Alter von 55 bis 64 Jahren, die über das höchste Budget verfügen. Diese Daten sind für Marken, die ihr Angebot strukturieren möchten, von entscheidender Bedeutung.
Um ein breiteres Publikum zu gewinnen, ist es wichtig, die Services anzupassen und die Nutzung über außergewöhnliche Ereignisse hinaus zu demokratisieren.
Die Vorteile des Bekleidungsverleihs
Vorteile für Verbraucher
Der Bekleidungsverleih bietet eine attraktive Alternative zum traditionellen Kauf. Er ermöglicht Zugang zu erschwinglicherer Mode und fördert gleichzeitig verantwortlichen Konsum.
Wirtschaftliche Vorteile:
- Zugang zu Designer- und Luxusmode für einen Bruchteil des Preises
- Deutliche Reduzierung der Bekleidungsausgaben
- Budgetflexibilität für besondere Anlässe
Optimierte Kundenerfahrung:
- Umweltfreundliche Reinigung in den meisten Services inbegriffen
- Schadensversicherung für sorgenfreie Nutzung
- Regelmäßige Erneuerung der Garderobe ohne Platzbedarf
Positive Umweltauswirkungen
Der Verleih trägt zur Reduzierung von Textilabfällen bei und verlängert die Lebensdauer von Kleidungsstücken. In einem Kontext, in dem Fast Fashion dominiert, begrenzt dieses Modell die Überproduktion und trägt zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft bei.
Chancen für Marken und Einzelhändler
Für Einzelhändler stellt der Bekleidungsverleih weit mehr als nur einen Trend dar. Er ist ein strategischer Hebel zur Diversifizierung ihrer Einnahmen und zur Gewinnung neuer Verbraucher.
Dieses Modell ermöglicht es, ruhende Bestände zu monetarisieren. Anstatt unverkaufte Ware zu reduzierten Preisen abzusetzen, können Marken sie zur Miete anbieten und jedes Stück langfristig rentabilisieren. Einige Einzelhändler haben dieses Modell bereits erfolgreich integriert, indem sie Verkauf und Verleih kombinieren, um den Wert ihrer Produkte zu maximieren.

Strategische Vorteile für Marken:
- Einnahmediversifizierung: neuer ergänzender Finanzfluss
- Monetarisierung unverkaufter Ware: Verwertung ruhender Bestände
- Verstärkte Kundenbindung: kontinuierliche Beziehung zum Kunden
- Markenimage: nachhaltige und verantwortliche Positionierung
Kundenbindung ist ein weiterer wichtiger Vorteil. Der Verleih fördert eine kontinuierliche Beziehung zwischen Marke und Verbraucher. Durch regelmäßige Erneuerung seiner Stücke bleibt der Nutzer engagiert und entdeckt neue Kollektionen.
Schließlich stärkt das Angebot von Verleihservices das Markenimage. Verbraucher sind zunehmend sensibel für Umweltfragen. Ein Unternehmen, das sich für einen nachhaltigen Ansatz einsetzt, zieht umweltbewusste Kunden an und differenziert sich gleichzeitig am Markt.
Hindernisse für die Adoption des Bekleidungsverleihs
Psychologische und praktische Hindernisse
Trotz seiner vielen Vorteile steht der Bekleidungsverleih mehreren psychologischen und logistischen Barrieren gegenüber.
Haupthindernisse identifiziert
- Hygiene-Wahrnehmung: Zurückhaltung beim Tragen bereits getragener Kleidung
- Kulturelle Gewohnheiten: Besitz als Garantie wahrgenommen
- Logistische Einschränkungen: Rückgabefristen und Lieferzeiten
Eines der Haupthindernisse bleibt die Hygiene-Wahrnehmung. Viele Verbraucher zögern, bereits getragene Kleidung zu tragen, obwohl die Reinigung systematisch inbegriffen ist.
Paradoxerweise ist diese Sorge bei Second Hand weniger präsent, obwohl gebrauchte Kleidung nicht immer dieselbe Behandlung erfährt.
Konsumgewohnheiten spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Der Kauf von Kleidung bleibt ein kulturell verwurzelter Reflex. Besitz wird als Garantie für Dauerhaftigkeit wahrgenommen, während Verleih oft mit besonderen Ereignissen assoziiert wird.
Logistische Einschränkungen sind ein weiteres wichtiges Hindernis. Die Notwendigkeit, Artikel innerhalb bestimmter Fristen zurückzugeben oder auf eine Lieferung zu warten, kann Verbraucher abschrecken, die an die Unmittelbarkeit des Kaufs gewöhnt sind.
Damit Verleih zur Gewohnheit wird, ist es wichtig, diese Prozesse zu vereinfachen und eine reibungslose Nutzererfahrung zu bieten.
Risiken von Rebound-Effekten und ökologische Grenzen
Obwohl sich der Bekleidungsverleih in einen ökologischen Ansatz einordnet, ist er nicht frei von Grenzen.
Studien zeigen, dass Verleih einen Rebound-Effekt verursachen kann. Durch die Erleichterung des Zugangs zu vielen Stücken kann er Verbraucher dazu verleiten, häufiger zu konsumieren, wodurch ein Teil der Umweltvorteile zunichte gemacht wird.
Zudem hat die mit dem Verleih verbundene Logistik erhebliche Auswirkungen:
- Transport der Artikel (Hin- und Rückweg)
- Systematische Pflege und Reinigung
- Mehrfache Verpackungen
- CO2-Fußabdruck manchmal höher als ein einmaliger Kauf
Bedingungen für positive Auswirkungen
Damit sich Verleih als echte nachhaltige Alternative etabliert, müssen Unternehmen einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen: umweltfreundliche Transporte, weniger energieintensive Reinigungsmethoden und effizientes Management des Produktlebenszyklus.
Integrationsstrategien für Unternehmen
Rentable Geschäftsmodi
Die Einführung des Bekleidungsverleihs erfordert die Wahl eines passenden Geschäftsmodells. Zwei Hauptstrategien zeichnen sich ab: Monatsabonnement und punktuelle Vermietung.
| Modell | Monatsabonnement | Punktuelle Vermietung |
|---|---|---|
| Prinzip | Zugang zu X Stücken/Monat | Miete für spezifischen Anlass |
| Vorteile | Kundenbindung, wiederkehrende Einnahmen | Hohe Marge, weniger Einschränkungen |
| Zielgruppe | Alltag, evolvierende Garderobe | Events, Luxus, Zeremonien |
| Bestandsverwaltung | Konstante Rotation | Event-basierte Verwaltung |
Das Abonnement ermöglicht Kunden monatlichen Zugang zu einer bestimmten Anzahl von Stücken gegen eine wiederkehrende Zahlung. Dieses Modell fördert die Kundenbindung, bietet finanzielle Planbarkeit für Unternehmen und fördert eine Bestandsrotation.
Es funktioniert besonders gut für Alltagskleidung oder evolvierende Garderoben.
Die punktuelle Vermietung hingegen ist ideal für spezifische Ereignisse. Sie entspricht den Bedürfnissen von Verbrauchern, die ein außergewöhnliches Outfit suchen, ohne in einen Kauf investieren zu wollen. Dieses Format ist weitgehend im Luxussegment oder für Zeremonienkleidung übernommen.
Jedes Modell hat seine Vorteile und muss mit der globalen Markenstrategie abgestimmt werden. Einige Einzelhändler kombinieren beide Ansätze, um ihr Angebot zu erweitern und verschiedene Kundensegmente zu erreichen.
Kannibalisierung der Verkäufe vermeiden
Eine der Hauptsorgen der Marken ist, dass Verleih ihre Verkäufe reduziert. Jedoch kann er, richtig integriert, im Gegenteil das bestehende Angebot ergänzen und neue Geschäftsmöglichkeiten generieren.
Anti-Kannibalisierungs-Strategien:
- Produktdifferenzierung: exklusive Kollektionen zur Miete
- Segmentierung: Beschränkung auf bestimmte Sortimente
- Cross-Selling: Anreiz für zusätzliche Käufe
- Kohärente Preisgestaltung: Balance Miete/Kauf
Eine klare Differenzierung zwischen Produkten im Verkauf und zur Miete ist wesentlich. Marken können beispielsweise exklusive Kollektionen zur Miete anbieten oder diesen Service auf bestimmte Produktlinien beschränken.
Dies verhindert direkte Konkurrenz mit hochpreisigen Artikeln.
Cross-Selling-Möglichkeit
10% der Vermietungen führen zu einem Impulskauf und stärken so die Gesamteinnahmen. Ein Kunde, der einen Artikel mietet, kann zum Kauf ergänzender Stücke angeregt werden.
Schließlich spielt eine kohärente Preisgestaltung eine Schlüsselrolle. Die Miete muss attraktiv sein, ohne den Kauf weniger interessant zu machen. Eine durchdachte Strategie ermöglicht es, den Umsatz zu maximieren und gleichzeitig Verbrauchererwartungen zu erfüllen.
Notwendige Technologien und Infrastrukturen
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